No Risk No Innovation

 

Ooh, was habe ich mich dieses Jahr auf die Urlaubszeit gefreut. Nach einem ausgesprochen ereignisreichen und stressvollen Jahr mit so vielen intensiven und erfolgreichen Projekten endlich mal richtig ausspannen, Energie tanken, die Beine baumeln lassen …

Eine ruhige Kugel schieben wollte ich, sowas mit Sonne, Liegestuhl, Lago Maggiore usw., quasi den alpinen Raum durch weitfokussierende, unscharfe Blicke durchdringen und gleichzeitig ignorieren, den Kopf frei bekommen – bloß keinen Erlebnisurlaub: Aufregung hatte ich schließlich in den letzten Monaten genug gehabt.

Doch irgendwie ließ ich meine Beine dann doch ganz anders baumeln, nämlich 1.700 Meter über dem Boden bei leichtem Südwestwind an den seidenen Fäden eines weiß-blauen Schirmes im Gleitflug über die Alpen, Locarno und sein berühmtes Filmfestival. Na das nenn ich mal einen echten Perspektivwechsel: Die Details, die ich noch eben zu Fuß erkundet hatte, verwuchsen aus diesem Blickwinkel zu größeren Zusammenhängen, die Formen der über 2000 aufgestellten Stühle vor der riesigen Leinwand verloren mit jedem aufsteigenden Meter ihre Konturen und die Farben übernahmen nun die Dominanz der Wahrnehmung. Eine neue Weitsicht öffnete mir vollkommen andere Eindrücke und gab das Big Picture des Lago Maggiore frei.

Erst nachdem ich längst wieder festen Boden unter den Füßen hatte wurde mir klar, dass Paragliding nicht nur mir eine neue Sichtweise auf die Alpen gegeben hatte sondern wie entscheidend ein Perspektivwechsel heute überhaupt geworden ist, insbesondere für unsere Unternehmen. Durch die digitale Transformation kommt es auf dem Markt zu immer kurzlebigeren Produktzyklen. Unternehmen müssen viel schneller Neuerungen finden, innovieren und unbekannte Geschäftsfelder betreten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das eigene Geschäftsmodell steht ständig auf dem Prüfstand und muss heute viel zügiger einem Upgrade unterzogen werden.

Wer dieser Dynamisierung des Marktes proaktiv begegnen will, der braucht zwar keine Paragliding-Erfahrung, aber mindestens den konsequenten Willen zum Perspektivwechsel. 3 kurze Beispiele können das deutlich machen:

Multidisziplinäre Teams

Innovation ist schon lange nicht mehr die Suche nach abgeschotteten F&E-Insellösungen, selbst wenn in der Vergangenheit auf diese Weise hervorragende Produkte entwickelt wurden. Neue Innovationsansätze, wie beispielsweise Design Thinking, setzen auf multiperspektivische Arbeit durch multiprofessionelle Teams. Denn die Komplexität und Geschwindigkeit der Probleme unserer Welt braucht die Verschiedenartigkeit der Sichtweisen.

Cross Innovation

Viele Unternehmen sind bei der Entwicklungsarbeit und bei ihrer Produktpalette zu branchenübergreifenden Lösungen gekommen. Sie haben erkannt, dass die Herausforderungen digital-selbstbewusster Kunden nicht mehr alleine durch einen einzigen Spezialisten zu erfüllen sind. Es bedarf der gemeinsamen Risikobereitschaft und der Kollaboration über die Branchengrenzen hinaus, um auf dem Wettbewerb der digitalen Transformation zu bestehen.

Crowd Intelligence

Die größte Perspektivenvielfalt kann man mit der Intelligenz der Masse erreichen. Ob in sozialen Medien oder in den vielen Foren, Kunden entwickeln heute ihre Produkte mit. Sie tragen Ihre Sichtweisen auf eine neue Produktentwicklung bei und schaffen damit ein multidimensionales Feedback zu einem Zeitpunkt der Entwicklung, da noch keine Großkosten investiert wurden. Dies kann das Produktionsrisiko mindern und helfen, Produkte für den Markt zu entwickeln, die einen echten Kunden-Mehrwert haben und gekauft werden.

Wie man es auch betrachtet: Wenn du heute vorwärts kommen, wenn du innovativ sein willst, dann musst du Risiken auf dich nehmen. Aber je mehr mehr unterschiedliche Perspektiven du auf dein Projekt einnehmen kannst, umso mehr wirst du dieses Risiko mindern. Kreativitätsspezialisten wissen dies ja schon lange und Paraglider übrigens auch: No Risk No Fun.