Das Geheimnis erfolgreicher Design Thinking ProjekteVertrauen als Erfolgsfaktor — Was Teams bei der Umsetzung von Design Thinking beachten müssen!

 

In Zeiten disruptiver technologischer Entwicklungen sind viele Unternehmen bemüht, ihre Unternehmenskultur und ihre Entwicklungsprozesse auf Innovation zu trimmen. Sie probieren sich eifrig die Palette der derzeit angebotenen Methoden wie Design Thinking, Scrum oder Holocracy. Aber was führt tatsächlich dazu, dass Teams effektiver arbeiten, lernen und entwickeln? Eine Reihe von repräsentativen Studien – zum Beispiel von Harvard Professorin Amy Edmondson* – fand anhand von 51 realen Arbeitsteams heraus, dass es insbesondere auf eine Zutat ankommt: das psychologische Sicherheitsgefühl. Und das basiert auf Vertrauen.

Vertrauen ist kein Zufallsprodukt, das sich zwischen Menschen nur dann einstellt, wenn die vielbeschworene Chemie stimmt. Sicherlich, wenn die Chemie stimmt, ist es einfacher, jemandem zu vertrauen. Wenn also ein Team effektiv und gemeinsam lernen will, dann müssen Teammitglieder unterschiedliche Sichtweisen offen austauschen und Annahmen gemeinsam testen können, statt dies hinter vorgehaltener Hand außerhalb des Teams zu tun. Oder erst gar nicht damit anzufangen

Einen Vertrauensvorschuss haben die Initiatorinnen von GestaltBAR, ein neues Angebot im Jobcenter Köln, dem agilen Prozess Design Thinking Prozess gegeben. Sie luden eine interdisziplinäre Gruppe von 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen ein, um Design thinking Live in einem schnellen Durchlauf zu erleben. Design Thinking setzt auf gegenseitiges Vertrauen dank seiner flachen Arbeitshierarchien. Damit kann dieser Ansatz die Grundlage für die Entfaltung der eigenen Kreativität und für einen Perspektivwechel bereiten, der eine neue Denkweise und neue Lösungen bietet.

Einige der JobCenter-Teilnehmer*innen hatten schon etwas von Design Thinking gehört oder vorher darüber gelesen. Sie brachten nicht nur Prototpying-Materialien sondern auch die richtige Einstellung mit: eine offene, neugierige Haltung. Sie wollten diese neue Methode aktiv kennen lernen und prüfen, ob sie in Zukunft im Job Center mit Design Thinking arbeiten wollen.

Nach einem kurzen Einstiegsreferat von Karla haben sie gegenseitig Interviews geführt und sofort ihr empathisches Denken mit kreativem Fragen kombiniert. Sie führten Gespräche zu einer Reihe von Themen, die aus dem Alltag bekannt sind. Sie wollten erstmal verstehen, worum es wirklich geht. Welche Bedürfnisse stecken hinter den Erzählungen? Es wurde eifrig und lebendig in den Teams diskutiert und dabei Skizzen gefertigt. Die neuen Lösungen für die Probleme, die die Teilnehmer*innen identifiziert hatten, wurden später in Form von Prototypen und Simulationen präsentiert.

Am Ende des Vormittags blieb genügend Zeit für eine gemeinsame Reflektion und für Fragen: „Wie können wir im JobCenter Köln Design Thinking als Prozess einsetzen, um neue Angebote für unsere Kunden oder um neue Beratungsangebote zu finden?“ Für Fortbildungen? Oder für den internen Entwicklungsprozess?

Bei der Feedbackrunde (die leider zu kurz war) sind viele zu Wort gekommen. Hier eine Auswahl der Themen:

Alle fanden gut, dass Design Thinking seine Lösungen durch „Schleifen“ erreicht, also durch kontinuierliche Reflexion und permanentes Feedback, ob alle noch auf dem richtigen Weg sind.

* Psychological Safety. Die mit diesem Begriff beschriebene „Gefahrlosigkeit für die Mitarbeiter“ weisen Organisationen auf, die eine offene und auf Vertrauen basierende Arbeitsatmosphäre entwickelt haben. In der Kultur der Psychological Safety können Mitarbeiter ihre Meinung äußern, ohne dafür missachtet oder gar beschimpft zu werden. Zudem sind sie angehalten, Fehler einzugestehen – ohne befürchten zu müssen, deswegen Nachteile zu erfahren. Die Kultur der Pychological Safety bietet zudem die Basis für das Teaming – eine agile, dynamische Version der Teamarbeit und ist unabdingbar in Design Thinking.

Karla Schlaepfer