Der Pygmalion-Effekt

 

Mal ehrlich, wünscht sich nicht jeder von uns besonders begabt zu sein? Mir würde es schon reichen, wenn andere glaubten, ich habe eine besondere Begabung. Dann erginge es mir wie den Schülern der amerikanischen Grundschule, mit denen die Psychologen Robert Rosenthal und Leonore Jacobsen bereits 1965 einen Feldversuch durchführten, der später als der Pygmalion-Effekt in der Wissenschaft seinen festen Platz gefunden hat.

Laut Wikipedia wird der Pygmalion-Effekt nach der mythologischen Figur Pygmalion bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine (vorweggenommene) positive Einschätzung eines Schülers durch einen Lehrer, z.B. der Schüler ist hochbegabt, die sich im späteren Verlauf bestätigt. Im Versuch von Rosenthal und Jacobsen wurde den Lehrern ebenfalls suggeriert, dass bestimmte Schüler besonders begabt seien, was sie in Wirklichkeit gar nicht waren. Mit diesem Vorwissen änderte sich auch das unbewusste Verhalten der Lehrer und am Ende zeigten die betreffenden Schüler tatsächlich eine bessere Leistung.

Zutrauen im Vorschuss

Welche Auswirkungen könnte so ein Verhalten auf deutsche Unternehmen haben? Mal angenommen, der Chef/die Chefin würde annehmen, dass seine/ihre Mitarbeiter/innen eine ihnen anvertraute Aufgabe besonders gut machen könnten. Wie würden die Leistungsbereitschaft und das Ergebnis steigen?

Dov Eden, heute Professor an der Universität von Tel Aviv ist es gelungen den Pygmalion-Effekt in den unternehmerischen Alltag zu übertragen. „Der Pygmalion-Effekt ist eine Art von sich selbst erfüllender Prophezeiung, bei der erhöhte Erwartungen der Manager in Bezug auf die untergeordnete Leistung ihrer Mitarbeiter deren Leistung steigert. Manager, die angehalten werden, mehr von ihren Untergebenen zu erwarten, führen diese dadurch zu mehr Leistung.“ (Eden 1992, S.1)

„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen.“, erkannte Freiherr Heinrich Friedrich Karl von und zum Stein bereits im 18. Jahrhundert. Und das ist auch das Motto der Ausbildung bei der Drogeriemarkt-Kette „dm“. Die Lernlinge (das Auszubildende hat der Inhaber von dm, Götz Werner, gestrichen) arbeiten bereits in der Ausbildung eigenverantwortlich in einem kleinen Bereich. Mit diesem Vorschuss an Vertrauen erntet er motivierte und mitdenkende Beschäftigte.

Im Design Thinking wachsen die Teilnehmer an ihren Aufgaben

Vertrauen zeigt sich darin, nicht erst abzuwarten, ob jemand einer Aufgabe gewachsen ist, sondern ihn lieber dabei zu unterstützen, dass er an dieser Aufgabe wachsen kann. Denn schon im Volksmund heißt es: Der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Und die Neurobiologie weiß es heute: sein Gehirn wächst auch!

In unseren Design Thinking Workshops lassen wir die Menschen wachsen. Wir geben ihnen Aufgaben, bei denen sie sich aus ihren gewohnten Denkmustern herausbewegen. Sie erleben neue Herausforderungen und machen Erfahrungen, bei denen sie über sich hinauswachsen, vielleicht sogar riskieren können. Wir geben ihnen das, was sie dafür brauchen: unser Zutrauen in sie.


Möchten Sie dieses Zutrauen in einem unserer Workshops zu spüren bekommen? Wir bieten Ihnen zu Beginn des neuen Jahres zwei Termine an: 26. Januar und 23. Februar 2019.


Auszüge aus dem Buch „Das dynamische Unternehmen. Wie Wertewandel, Innovation und Digitalisierung zum Erfolg führen“ von Karla Schlaepfer und Martin Welz